Polygamie: Die Vorteile und Nachteile von Polygamie

Unter dem Begriff „Polygamie“ versteht man eine Ehe, beziehungsweise das eheartige Verhältnis, eines Menschen mit mehreren Partnern zur selben Zeit. Die Polygamie, auch Vielehe genannt, bildet demnach das Gegenstück zur Monogamie. Je nach Geschlecht wird zwischen der Polygynie, also der Beziehung eines Mannes zu mehreren Frauen und der Polyandrie (eine Frau mit verschiedenen Männern) unterschieden. In unserem westlichen Kulturkreis ist die Polygamie äußerst selten geworden, hierzulande ist eine Ehe mit mehr als einem Partner sogar gesetzlich verboten und wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet. In anderen Breitengraden, wie beispielsweise in einigen arabischen Staaten, ist die Mehrehe jedoch gesellschaftlich akzeptiert und rechtmäßig erlaubt. Heute möchten wir einmal die Gründe, sowie die Vor- und Nachteile dieser Beziehungsform beleuchten.

Polygamie
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Weshalb gibt es Polygamie?

Die Gründe für eine Beziehung zu mehreren Partnern zur selben Zeit, sind nicht immer ausschließlich sexuell motiviert. Bis in die Neuzeit hinein ging mit der Vielehe auch die soziale Absicherung einher. Ein Mann, der es sich finanziell leisten konnte, mehrere Frauen gleichzeitig zu unterhalten, kam eher als potentieller Ehepartner in Frage, als ein Alleinstehender, dessen sozialer Status mehr dem unteren Sektor zuzuordnen war. Aus der Sicht der Evolutionsbiologie gehen mit mehreren Partnern auch größere Chancen auf eine erfolgreiche Fortpflanzung einher. Sollte es also einen Eheteil geben, der sich als unfruchtbar erweist, gibt es immer noch andere Alternativen, die den eigenen Arterhalt gewährleisten können.

Auch wenn eine Frau, zum Beispiel aufgrund eines Krieges, ihren Partner frühzeitig verloren hatte, war es damals nicht unüblich, dass ein Mann ihres Umfeldes diese Frau zusätzlich heiratete, um sie vor einer sozialen Notsituation zu bewahren. Polygamie, insbesondere die Polyandrie, findet heute vor allem in Ländern statt, die muslimisch geprägt sind. In der islamischen Rechtsprechung kann ein Mann bis zu vier Ehefrauen heiraten, so lange er sie alle gleich behandelt. Die Polygamie ist indes keine Lebensform, die der Mensch exklusiv hat. Im Tierreich ist sie weit verbreitet, annähernd 95% aller Säugetiere leben in polygamen Gemeinschaften.

Die Vorteile der Polygamie

Ein Mann, der eine Beziehung zu mehreren Frauen gleichzeitig hat, befriedigt auf diese Art und Weise viele seiner sexuellen Bedürfnisse und Fantasien. Wenn der Polygamie viele Nachkommen entspringen, so können die vielen Kinder ihren Vater im Rentenalter versorgen, indem sie beispielsweise Geldmittel zur Verfügung stellen. Auch in monogamen Gesellschaften gehen Männer oft sexuelle Verhältnisse zu anderen Frauen ein, die nicht ihre Ehefrauen sind. Hier besteht jedoch das Manko, dass solche Partnerinnen und die eventuell entstehenden Kinder nicht den selben rechtlichen Staus genießen, wie ihre „offiziellen“ Pendants.

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Auch die an einer Polygamie beteiligten Frauen könnten von diesem Lebensstil profitieren, da sie sich an der Gesellschaft der anderen Frauen erfreuen und anfallende Haushaltsarbeiten untereinander aufteilen könnten. Jüngere Frauen könnten dadurch die Belastung auf ältere Frauen innerhalb einer Polygynie erheblich reduzieren. In Ländern, die mit Kriegen und somit auch mit einer hohen Männersterblichkeit zu kämpfen haben, kann die Polygynie das Bevölkerungswachstum und somit auch den Wiederaufbau des Staates unterstützen. Bei der Vielehe wäre sichergestellt, dass jede Frau auch potentiell einen Partner finden kann, auch wenn der Männeranteil in der Gesellschaft deutlich unter dem der Frauen liegt.

Die Nachteile der Polygamie

Aus unserem westlichen, modernen Standpunkt birgt die Polygamie jedoch viele Nachteile. Allen voran wird hier die Ungleichheit zwischen Mann und Frau aufrecht erhalten und sogar als erstrebenswert kommuniziert. In vielen polygamischen Ländern haben die Ehefrauen offiziell einen geringeren sozialen Status als ihre Männer und dürfen beispielsweise nicht ohne deren Erlaubnis arbeiten gehen. Aus der Sicht der Frauen birgt eine Umfeld, in dem man sich ständig mit der Konkurrenz anderer Ehefrauen konfrontiert sieht, das Potenzial für viel Eifersucht und Konflikte.

Es kommt sogar vor, dass Frauen in polygynischen Gemeinschaften die Nachkommen anderer Frauen heimlich umbringen, um sich selbst einen Vorteil innerhalb der Ehegemeinschaft zu verschaffen. Zwar ist die Voraussetzung für eine eine offizielle Vielehe die Gleichbehandlung einer jeden Frau durch den Mann, dieses Szenario erweist sich in der Wirklichkeit jedoch als unrealistisch. Wahrscheinlich wird er die jüngste oder schönste Frau den anderen vorziehen, was wiederum zu Spannungen innerhalb der Gemeinschaft führen kann. Solche Spannungen könnten umgehen werden, indem eine offizielle Hierarchie zwischen den Frauen erstellt wird, oder sie jeweils einen eigenen Haushalt führen und somit räumlich getrennt leben.

Während einige, gut situierte Männer von der Polygynie profitieren, stehen jene mit geringerem sozialen Status, die sich eine Mehrehe nicht leisten können, hinten an. Die Auswirkungen können gar soweit gehen, dass frauenlose Männer in polygamen Gesellschaften eher in den kriminellen Sektor rutschen. Es ist auffällig, dass Polygamie am meisten in Ländern verbreitet ist, die als sozial instabil gelten. Verschärft wird die Diskrepanz durch den zu zahlenden Brautpreis, der ein prägendes Merkmal von polygynischen Lebensgemeinschaften ist.

Der Preis soll die Familie der Braut dafür entschädigen, dass ihrem Haushalt nun eine helfende Hand weniger zur Verfügung steht. Da eine Scheidung eine Rückzahlung des meist immensen Brautpreises voraussetzt, sind viele Frauen aus der finanziellen Not heraus gezwungen, in missbräuchlichen Ehen zu verharren. Während die Männer meist ein fortgeschritteneres Alter erreicht haben, bis der Brautpreis gestemmt werden kann, geht die Tendenz bei den weiblichen Ehepartnerinnen zu einem eher jungen Alter, in welchem ihre Fruchtbarkeit garantiert ist. Dies führt dazu, dass viele Frauen, die sich noch in der Ausbildung befinden, diese nicht zu Ende bringen können, da sie von einer Hochzeit unterbrochen wird.

Auch die Nachkommen innerhalb einer Polygamie haben mit den Effekten der Vielehe zu kämpfen.Während sie sich zwar der ungeteilten Aufmerksamkeit ihrer Mütter erfreuen können, kann der Vater nicht jedem Kind gleichermaßen gerecht werden. Statistisch gesehen sind die Gewalt und die Kindersterblichkeit innerhalb von polygynischen Gemeinschaften weitaus höher, als in monogamen Familien.